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Eine Fallstudie zu „The Case Study of Vanitas”

„The Case Study of Vanitas” ist ein 2015 in Japan erschienener Manga der Autorin Jun Mochizuki, der seit 2017 auch in Deutschland verkauft wird. Hauptfigur ist Vampir Noé, der nach Paris reist um das sogenannte „Buch des Vanitas” zu finden, dem nachgesagt wird, dass es die Vampire eines Tages ausrotten könnte. Auf seiner Fahrt dorthin trifft er auf den Menschen Vanitas, der mit dem Buch des Vanitas eine von einem Fluch besessene Vampirin heilt. Ab hier verfolgt „The Case Study of Vanitas” Noé und Vanitas in eine Reihe von Erlebnisse und Konflikte.

Doch kann die Geschichte überzeugen und viel wichtiger, wird der Manga seinem Potenzial gerecht?

Schon auf den ersten Seiten wird klar, dass Jun Mochizuki mit detailreichen und schönen Zeichnungen überzeugt. Noés Reise findet mit einem Luftschiff statt und wie kunstvoll dargestellt wird, ist dies kein 0815-Zeppelin sondern eine Meisterleistung der Kunst. Sowohl die Charaktere als auch alles um sie herum haben einen klaren Zeichenstil und es macht Spaß, die Panel anzusehen. Doch die ersten Schwächen lassen nicht lange auf sich warten.

Noé trifft auf dem Luftschiff auf eine junge Frau namens Amelia, die plötzlich schwach wird und zu Boden fällt, von Noé jedoch aufgefangen wird. Die beiden setzen sich zu Tisch und reden. Noé erzählt ihr, dass er kein Tourist ist, sondern das Buch des Vanitas sucht. Er erzählt das Märchen, nachdem das Buch des Vanitas den Vampiren den Tod bringen wird, die unter dem roten Mond geboren sind, was bis auf wenige Einzelfälle normal ist. Kurz darauf bricht Amelia zusammen und ein Fluch bricht in ihr aus. Durch ein Fenster des Luftschiffs springt plötzlich der junge Mann Namens Vanitas herein, der Noé anweist, Amelia nicht anzufassen. Nachdem Noé merkt, dass er Amelia nicht helfen kann, bricht Vanitas den Fluch mit seinem Buch des Vanitas.
Zuerst einmal muss man sagen, dass die eigentliche Geschichte des Mangas sehr interessant ist und sich gut lesen lässt, die Autorin allerdings in ihrer Erzählweise nicht überzeugt, denn eine Einführung sollte nicht durch zufällige Begegnungen passieren die es der Erzählung einfach nur leichter machen. Noé macht sich auf die Suche nach dem Buch des Vanitas, innerhalb der ersten drei Seiten trifft er, wohlgemerkt am Anfang seiner Reise, auf eine Vampirin, die unscheinbar von einem Fluch besessen ist, der nur mit dem Buch geheilt werden kann. Aber das war nicht alles, denn glücklicherweise trifft er in gerade mal 12 weiteren Seiten auf Vanitas, der das Buch mit sich trägt und es benutzt um solche Flüche zu heilen. Natürlich sind solche zufälligen Begegnungen keineswegs immer etwas Schlechtes, jedoch legt sich die Autorin ihre Geschichte jeglicher Logik entnommen zurecht, was man auch ein paar Seiten weiter wieder vorfindet.

Nachdem die beiden mit dem außer Kontrolle geratenen Vampir gesehen wurden, fallen sie beim Abhauen aus dem Luftschiff. Nach dem Auftreffen lacht Vanitas laut und sagt: „Was war das denn bitte, wieso haben wir das überlebt? Hahaha Hahaha, wie zum Teufel sind wir gelandet?” Danach hört man nie wieder etwas über dieses Fallen und soll das unversehrte Auftreffen einfach als Witz hinnehmen. Ob Vanitas eine Kraft hat, die ihm hilft so etwas zu überleben, sei dahingestellt, aber die Autorin macht sich keine Mühe dem Leser dies zu erläutern und stellt ihn stattdessen vor einen sehr flach geratenen Witz.

Am Boden realisiert Noé, dass das Buch des Vanitas auch für so etwas Gutes benutzt werden kann, wonach Vanitas ihn fragt, ob Noé ihm seine Kraft leihen würde und so endet das erste Kapitel mit dem grenzwertigen Satz: „Und so beginnt unsere Geschichte. Die Geschichte, wie ich Vanitas begegnete, einen gemeinsamen Weg mit ihm beschritt, viel gewann, viel verlor, und dann ... am Ende der Reise ... mit meinen eigenen Händen tötete.”

Am besten Gliedern wir diesen Satz einmal in drei Teile:

Und so beginnt unsere Geschichte. Die Geschichte, wie ich Vanitas begegnete, einen gemeinsamen Weg mit ihm beschritt,

Für das Ende des ersten Kapitels doch völlig in Ordnung, um den Leser erzählerisch in die Geschichte einzufühlen.

viel gewann, viel verlor, und dann ... am Ende der Reise ...

Wird plötzlich extrem generisch, oder erwartet irgendjemand das in so einer Geschichte nur Gutes passiert?

mit meinen eigenen Händen tötete.

Warum sollte eine solche Information anscheinend grundlos schon ganz am Anfang herausgegeben werden? Die Geschichte hätte es überhaupt nicht nötig, das Interesse des Lesers so zu kapern, der Satz wirkt teilweise wie ein verzweifelter Versuch poetisch zu wirken, was total nach hinten losgeht. Oder wäre es besser gewesen, schon im ersten Harry Potter Film zu wissen, dass Snape Dumbledore nie hintergehen würde?

In Kapitel zwei sind die beiden in Paris und müssen zu Graf Orlok, einem Vampir der die Balance zwischen Vampirwelt und der Menschenwelt aufrechterhalten soll, um ihr Gepäck aus dem Luftschiff abzuholen und gerade am Anfang werden wir wieder an einen sehr schönen Teil des Mangas erinnert, denn die Zeichnungen sind ein einziges Kunstwerk.

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Beim Grafen angekommen will dieser erstmal nicht mehr das Buch des Vanitas rausrücken, da er nicht glaubt, dass es den Fluch heilen kann und nicht nur für das Unheil steht. Außerdem soll die geheilte Amelia geköpft werden, da so mit erkrankten Vampiren verfahren wird. Noé will den Verlust von Amelia nicht akzeptieren und fordert den Grafen auf ihnen einen Tag zu geben, um einen Serienmörder zu finden, der in Paris sein Unwesen treibt und wohl an dem Fluch leidet. Sie wollen ihn fangen, zum Grafen bringen und ihn vor seinen Augen heilen. Der Graf akzeptiert dies und so machen sich die beiden auf den Weg. Noés Motivation hierfür ist, dass er in der Kindheit jemanden an den Fluch verloren hat und dies nie wieder erleben möchte. Mit seinen Rückblicken kann der Manga überzeugen, denn es stellt Noé nicht als stumpfen „Gutvampir” dar, sondern man wird seiner emotionalen Welt gegenübergestellt und versteht seine Handlung.

Durch einen Informanten von Vanitas finden die beiden den Serienmörder und der Kampf beginnt. Noch über der Straße auf dem Dach stehend nimmt Noé Vanitas und wirft ihn mit voller Wucht auf den Mörder, damit dieser durch das Manöver überrascht wird und Noé ihn festhalten kann, während Vanitas ihn mit seinem Buch paralysiert. Auch dies ist wiedermal ein extrem flacher Comedy-Moment, der entgegen jeder Logik krampfhaft versucht Witz in die Geschichte zu bringen. Bevor die beiden nun den Serienmörder mitnehmen können, taucht plötzlich ein kleiner Junge namens Luca und eine Frau namens Jeanne, die sogenannte Hexe des Höllenfeuers, auf. Der Junge fordert Vanitas auf ihm das Buch auszuhändigen, da er glaubt, er könne durch zerstören des Buches seinen erkrankten Bruder retten. Da der Junge den beiden nicht glaubt, dass Vanitas ihn mit dem Buch heilen kann, bricht ein Kampf zwischen Jeanne und Noé aus. Vanitas erklärt, dass es normal sei, dass Vampire so negativ über das Buch des Vanitas denken und dass es stimme, dass er mit dem Buch auch Vampire töten kann, indem er ihren wahren Namen stört. Der Fluch verzerrt und ändert den wahren Namen von Vampiren, wobei das Buch diesen verzerrten Namen stören kann damit der wahre Name wieder zurückkehrt. Noé entgegnet, dass selbst wenn das Buch auch für schlechte Dinge genutzt werden kann, Vanitas es für das Gute nutzt und sich das richtig anfühlt. Während dieser Moment tieferen Einblick in die Problematik gibt wird die Ernsthaftigkeit leider wieder aus dem Nichts im nächsten Moment zerstört, als Vanitas vier ganze Panel lang unkontrolliert lacht und Noé ein „lustiges Kerlchen” nennt. Glücklicherweise kehrt die Ernsthaftigkeit direkt danach wieder und Vanitas schöpft neue Motivation, einen Plan zu schmieden um die Hexe zu besiegen, nichtsdestotrotz hat der vorherige Einschub die Leseaura gestört und nichts zum Manga beigetragen.

Der Kampf geht nun in seine letzte Phase über und er wird mit der neuen Strategie interessanter und spannender als zuvor, so tut Vanitas, als hätte er eine spezielle und gewaltige Kraft, während er eigentlich nur Zeit schindet bis die Paralyse der Serienmörders aufhört und dieser auf die Hexe losgeht. Dieser Moment ist ein guter Ansatz für eine durchdachte Erzählung mit der man nicht gerechnet hätte. Auch findet man hier bessere Comedy-Momente, als zum Beispiel Vanitas Informantengruppe ihn unterirdisch für diesen hinterhältigen Plan nennt. Vanitas nimmt nun sein Buch und will Luca und Jeanne zeigen, dass er den Serienmörder vom Fluch heilen kann, vergisst dabei allerdings, dass er den Serienmörder eigentlich vor den Augen des Grafen heilen sollte. Doch auch dafür hat die Autorin eine plötzliche, einfache und plausible Lösung, denn Mitarbeiter des Grafen stehen plötzlich auf einem Nebendach, haben alles gesehen und wollen es diesem übermitteln ... wie praktisch!
Nachdem Luca und Jeanne sich letztlich zurückziehen, endet der erste Band damit, wie die Mitarbeiter des Grafen die Leiche des Serienmörders in einer Seitengasse finden, da dieser nach seiner Heilung schnell vom Schlachtfeld wegrannte. Man sieht eine Schattenfigur, die ihn allem Anschein nach umbrachte.

Was ist nun das Fazit? The Case Study of Vanitas bietet einen hervorragenden Zeichenstil und eine Geschichte die eine gute Grundlage bietet, allerdings an ihrer Umsetzung und Erzählung scheitert. Jun Mochizuki schafft es leider nicht an vielen Stellen, ihre Erzählung der aktuellen Atmosphäre anzugleichen und opfert Logik an vielen Stellen für eine einfache und „lustige” Variante. Somit landet der Manga, der in meinen Augen sehr viel Potenzial hatte, in der mittelklassigen Mittelklasse.



Tags: Review, Manga, The Case Study of Vanitas