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Die Moral des Schwammes: Zu Wasser und zu Land

Spongebob Schwammkopf, eine Serie mit vielseitigen Charakteren. Als Kind lernt man noch, den gelben Schwamm durch seine kreative und erweckte Art zu mögen. Mit der Zeit identifiziert man sich jedoch eher mit dem ruhesuchenden Thaddäus, der verzweifelt versucht, seinem nervtötenden Nachbarn zu entkommen. Für viele stellt die Serie nur eine Comedy-Serie dar, die auf eine verblödete Weise Kinder in ihren Bann zieht, doch was man als Kind und auch als Erwachsener oft nicht erkennt, ist die Moral hinter jeder Geschichte in Spongebob Schwammkopf. Im fortlaufenden möchte ich diesen Hintergrund an der Folge 32a (S02 E12a), Zu Wasser und zu Land, darlegen und ergründen.

Kurz zusammengefasst: Eichhörnchen trifft Meeresbewohner

Spongebob und Sandy schauen Himmel an
Die Folge beginnt damit, wie Sandy und Spongebob sich zusammen den Himmel ansehen. Sandy sagt zu Spongebob, normalerweise würde sie ihn zu einem Wettklettern aufs Korallenriff rausfordern, aber der Anblick sei zu wunderschön, um ihn zu verpassen. Spongebob stimmt zwar zu, allerdings werden sich die beiden nicht einig, wer gewinnen würde, denn Sandy ist überzeugt davon, dass sie als Landbewohnerin die besseren Fähigkeiten im Klettern habe und Spongebob ist der Meinung, er habe als Meeresbewohner unter Wasser die besseren Chancen. So kommt es doch zum Wettklettern.
Nachdem niemand seine Überlegenheit in zwei Wettrennen beweisen kann, entsteht eine hitzige Diskussion zwischen Sandy und Spongebob, Patrick, Thaddäus sowie Mr. Krabs in der Krossen Krabbe, wer überlegener sei, Land- oder Meeresbewohner.

Freund und Feind in zwei Momenten

Interessant ist in dieser Folge, wie schnell die Idylle der anfänglichen Szene zerbröckelt. Während Spongebob und Sandy wohlsonnend auf dem Sand liegen und gemeinsam die Wolken, welche wie Blumen aussehen, betrachten, werden sie durch die kompetitive Natur ihrer Freundschaft aus dieser Situation der absoluten Innigkeit gerissen. Die Frage, wer schneller wäre, stellt im Normalfall keine Wichtigkeit für beide dar, doch weil der Konflikt gerade zwischen den beiden, die zusammen Karate und Extremsport machen, aufkommt, ist es sowohl Spongebob als auch Sandy wichtig zu siegen.
Als der erste Wettkampf beginnt, hat sich Sandy schon einen unfairen Vorteil verschafft und erklettert das Korallenriff vor Spongebob. Als Revanche fordert Spongebob Sandy zu einem Rennen zur Krossen Krabbe heraus. Diesmal jedoch verschafft Spongebob sich einen unfairen Vorsprung und entscheidet die Krone für sich. Während beider Wettkämpfe benutzen die beiden unfaire Mittel, um den Konkurrenten abzuwimmeln. Es zeigt, wie weit beide gehen würden, nur um diesen trivialen Triumph feiern zu können.
In der Krossen Krabbe angekommen kritisiert Sandy, dass Spongebob kein Fair Play kenne, da sie mit ihren unfairen Mitteln nur Spaß machte aber Spongebob diesen nicht verstehen würde. Ironischerweise tätigt Sandy hier eine heuchlerische Aussage, denn sie ist ebenfalls diejenige, die den Spaß aus den Augen verliert. Im Eifer des Gefechts beleidigen sich beide Parteien, bis Spongebob keine Beleidigungen mehr einfallen und Sandy auch daraus schließt, dass Meeresbewohner unterlegen sind. Doch letztlich schießt sie sich dabei wieder ins eigene Bein, denn eigentlich ist es etwas Gutes, wenn man schlechter im Fluchen ist als der andere.
Jetzt treten auch Patrick, Thaddäus und Mr. Krabs hinzu. Unbeeindruckt geben sie sich von Sandys Aufzählung, was Landbewohner alles besser können: Heu bündeln oder Scheunen bauen oder ... Fischen. Es ist ganz klar, dass alle ihre Argumente völlig irrelevant sind, da ein Meeresbewohner nichts von diesen Fähigkeiten hätte. Aktuell ist Sandy das provokative Feuer, welches den ganzen Streit entfacht, auch wenn Spongebob durch seine Antworten nicht deeskalierend wirkt. In ihrer Anwesenheit als Gruppe schaffen es die vier jedoch, ebenfalls gegen Sandy zu schießen. Sie machen sich über Sandy als dummes Eichhörnchen lustig, was ziemlich paradox ist, da Sandy als Wissenschaftlerin vermutlich schlauer als alle vier zusammen ist. Patrick wettet, sie könne keinen doppelten Krabbenburger in einem Bissen runterkriegen. Beim Nachmachversuch scheitert Sandy daran, dass sie einen Helm mit Luft aufhat und alle lachen über sie. Mr. Krabs zeigt seine Besonderheit und fragt Sandy, ob sie auch ihre Augen wechselseitig ein und ausfahren kann, Thaddäus fragt Sandy, ob sie auch fünf Teller gleichzeitig balancieren kann und Spongebob fragt, ob sie sich auch durch "Knospung fortpflanzen" kann. Sandy muss erwidern, dass sie das alles nicht kann. Auch hier ist wieder zu erkennen, dass alle vier nur nutzlose Fähigkeiten vorgestellt haben. Bisher hat niemand es geschafft, glaubwürdige Argumente zu bringen, warum die eine Herkunft besser als die andere ist.
In ihrer Gewinnereuphorie, die schon an Mobbing grenzt, bringen sie Sandy dazu wütend ihren Anzug zu zerreißen und ihren Helm zu zerbrechen. Da Sandy ein Säugetier ist, kann sie unter Wasser nicht atmen. Spongebob, als Sandys Freund, geht in diesem Fall sogar das Risiko ein, dass sie erstickt, nur um es ihr zu zeigen.
Nachdem sie sich mit einem Gurkenglas vor dem Ersticken rettet, fordert Sandy die Truppe auf, eine Minute an Land auszuhalten. Alle nehmen die Aufgabe leichtsinnig hin und akzeptieren, um die Sache ein für alle mal zu klären. Selbst jetzt lachen sie noch über Sandy, wie einfach das doch wäre. Am Rand zur Wasseroberfläche ändert sich die Überzeugtheit der Gruppe plötzlich. Während Spongebob immer noch sicher ist, zu gewinnen, fangen die anderen drei an zu zittern und verstecken sich hinter ihm. Da die Situation langsam ernst wird, merken die drei, dass ihre Leichtsinnigkeit übersteuert war und sie doch nicht so unglaublich überlegen sind, um alles durchstehen zu können.
Als Spongebob den ersten Schritt nach draußen macht, fällt ihm auf, dass es eigentlich sehr angenehm an der Oberfläche ist. Er ruft den Rest zu sich und alle laufen ein Stück. Als zwei Pelikane zu ihnen angeflogen kommen, denkt Spongebob zuerst er könnte sie nett begrüßen, doch diese fangen an die Truppe anzugreifen. Schnell wird allen vier klar, dass sie für diese Umgebung nicht gemacht sind. Sandy, die noch im Wasser wartet, will gerade hochgehen und allen gratulieren, dass sie es eine Minute ausgehalten haben. Sie zeigt plötzlich wieder ihre freundliche Stimmlage und freut sich für ihre Freunde, das sie auch in ihrem Habitat klarkommen, dafür gibt sie sich sogar geschlagen. Als sie dann den Pelikanangriff mitbekommt, schlägt sie die Pelikane auseinander und schafft es so, ihre Freunde zu retten. Sie tut das, obwohl alle davor abfällig über sie geredet haben, merkt aber auch, dass sie zu weit gegangen ist. Die Folge endet damit, wie alle wieder mit unglücklichem Gesicht ins Wasser fallen und sich gegenseitig entschuldigen. Jedem wurde klar, dass zwar jeder in irgendetwas der Beste ist, aber nicht jeder in allem. Es kristallisiert sich, dass die Freunde jeweils ihre Stärken und Schwächen haben und sie diese nun akzeptieren.

Die ganze Gruppe am Ende

Auch der Zuschauer lernt mit

Der Humor, auf dem Spongebob Schwammkopf weitgehend basiert, macht sich die unterbelichtete Interaktionsweise der Bewohner zunutze. Für ein Kind ist diese Art von Humor sehr einfach aufzunehmen und sorgt immer für einen Lacher, denn wer kann in dem Alter nicht darüber lachen, wenn ein Seestern seine Stirn aufbläst? Und während die Serie weitgehend auf diesem oberflächlichen Humorniveau bleibt, erzählt sie dabei immer eine wertvolle Geschichte.

Spongebob und Sandy sind Freunde, die sich immer wieder herausfordern und dabei Spaß haben. Das ist ihre Art und Weise miteinander umzugehen und keinesfalls etwas Schlechtes, wenn es beide gerne und aufeinander achtend machen. Doch genau dieser Fall ging hier verloren, denn sowohl Spongebob als auch Sandy haben sich in ihrem verzweifelten Versuch, sich durchzusetzen, aus den Augen verloren und dabei vergessen, dass sie als Freunde auf einer Stufe stehen, denn sonst könnten sie auch nicht befreundet sein. Beide rufen sich gegenseitig verletzende Bezichtigungen zu, während doch ganz klar ist, dass diese unnötig und falsch sind. Daraus macht die Folge auch kein Geheimnis und stellt diese als ganz klar falsch und überflüssig dar.

Doch was lernen wir am Ende des Tages daraus?

  1. Jede Person hat ihre eigenen Stärken und Schwächen, die sie ohne sich dabei schämen zu müssen akzeptieren kann und sollte.
  2. Egal wo man herkommt, es macht einen nicht automatisch zu einem besseren Menschen (oder Tier).
  3. Freundschaft basiert auf Gleichwertigkeit und Akzeptanz der Verschiedenheit.

Spongebob Schwammkopf mag für viele Menschen als eine Verstörungsmaschine für Kinder angesehen werden, doch besonders bei genauerem Hinschauen zeigt sie ihren wahren Glanz.



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