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The Middle Review

Am 30. September 2009 strahlte ABC die erste Folge der Sitcom The Middle aus, die sich bis zum letzten Ausstrahlungstermin am 22. Mai 2018 bewährte und mit Staffel 9 ihr Finale feierte. Während die Quoten nie schlecht waren, haben sie sich nie besonders abgehoben, sind allerdings weitgehend stabil geblieben. So konnte The Middle sich jedoch nie gegen z.B. Modern Family bewähren, zumindest nicht in Zahlen. Doch hinter The Middle steckt mehr als nur eine mittelklassige Sitcom, die ihre Einzigartigkeit darin trägt, dass die Drehbuchautoren über neun Staffeln immer wieder die gleichen schlechten Witze schreiben. Nein, hinter The Middle steht die Geschichte einer unnormalen Familie, die versucht, die normalen Hürden des Alltags zu überstehen und während das oft nur mit Mühe und Not gelingt, hält sie uns die einfachen Dinge im Alltag vor, die unser Leben immer wieder auffrischen und verbessern.

Achtung: Dieser Blogpost enthält Spoiler.

Die Hecks

Die Familie Heck
The Middle dreht sich um die Familie Heck. Mike, Frankie, Sue, Brick und Axl. Die Hecks sind eine arme Familie, Vater Mike ist Manager eines Steinbruchs und Mutter Frankie arbeitet als Autoverkäuferin auf Provisionsbasis, schafft es allerdings kaum, Autos zu verkaufen. So lebt die Familie Monat für Monat am Existenzminimum und kann sich oftmals nichts dazu leisten. Kaputte Küchengeräte, Waschmaschinen und Dächer sind die Folge. Trotzdem lässt sich die Familie davon nicht viel einschüchtern. Tochter Sue ist immer positiv eingestellt und lässt sich von nichts unterkriegen. Obwohl sie immer an ihrer Tollpatschigkeit scheitert, versucht sie es bei den Aufnahmetests für die Clubs ihrer Schule immer wieder. Der jüngste Sohn Brick ist ein Bücherwurm und tut fast nichts anderes als lesen und während er weitgehend intelligent ist, bleiben seine sozialen Fähigkeiten vollständig auf der Strecke und seine komischen "Ticks" erschweren ihm den Alltag, beispielsweise muss er oft Wörter nachflüstern oder einen "Wuup" Ton von sich geben. Ältester Sohn Axl ist das komplette Gegenteil, er ist sportlich und wird als Footballer gefeiert, hängt den ganzen Tag nur ab und lässt den Rebellen raushängen.

Ein armes Leben kann aufregend sein

Wenn man nicht viel hat, muss man oft kreativ werden. Die Hecks machen sich das oft zunutze, so beginnt schon die erste Folge mit Frankies versuch, mehr Autos zu verkaufen, was ordentlich nach hinten losgeht. Und während solche Momente natürlich lustig sein sollen, zeigt The Middle immer auch die blanke Realität und wie man sie erträglich macht. Denn die Serie ist zwar eine Sitcom mit Witz, jedoch zeigt sie sich immer auch von einer ernsten Seite und schafft abhilfe mit Herz. Da wäre zum Beispiel die Folge in Staffel 1, in der Mike seinen Job verliert, weil der Steinbruch für ein paar Monate schließen muss und als wäre das nicht genug, hat er auch Schwierigkeiten dabei, eine neue Arbeit zu finden. Während das die finanzielle Situation der Familie stark belastet, springt Sohn Axl ein und bezahlt von seinem wenigen Jobber-Gehalt das Mittagessen der Familie. Dann gibt es noch die Folge, in der Mikes Bruder heiratet und dies ungefragt im Haus der Hecks machen will. Überhaupt nicht begeistert davon, nehmen sie es jedoch in die Hand und am Abend der Hochzeit hält der sonst vollständig emotionslose Mike eine Rede darüber, wie sein Leben durch seine Familie eine Bedeutung hat und er dies auch seinem Bruder Rusty wünscht. Im späteren Verlauf (Staffel 8), als Sue schon studiert, vergisst sie sich für ihre finanzielle Hilfe zu bewerben und muss aufgrund fehlenden Geldes die Uni verlassen. Doch Mike kann die Situation retten, indem er seinen Anteil einer Firma verkauft, die er über eine längere Zeit mit seinem Bruder aufgebaut hat, ohne es ihr zu sagen. Auf Nachfrage seiner Frau, wie er das nur tun konnte, antwortet er einfach mit: "Es ist eben Sue". Oft sind es diese kurzen Momente, die eine The Middle Folge zu einer ganz besonderen machen. Denn die meisten Folgen von The Middle haben immer dasselbe Prinzip. Am Anfang wird ein Problem oder ein gewisser Umstand präsentiert, dann wird der Verlauf erzählt, bei dem oft vieles nicht glatt läuft, und am Ende wird man wieder auf den Boden geholt, denn irgendwie ist doch immer alles gut.

Eine beherzte Komödie

Schaut man sich beispielsweise Sue genauer an, dann kommt man schnell zu dem Schluss, dass sie ein ganz besonderer Mensch ist. Anfangs ist sie die tollpatschige Schülerin, die keins ihrer Ziele erreicht und trotzdem nie aufgibt, immer an das Gute glaubend. Das Mädchen, an das sich niemand erinnert, das nie besonders beliebt war und nie viele Freunde hatte. In Folge 23 lernt Sue Reverend TimTom kennen, der für kurze Zeit die neue Jugendgruppe der Kirche leitet. Sie fühlt sich von ihm und seinen Liedern verstanden.

It's tough being a teen, when this world can be so mean. No one takes you seriously [...] When the world tells you your nothing, just remember you're something. It's tough, being a teen.

Reverend TimTom begleitet Sue auf ihrem Weg durch alle neun Staffeln und ist immer da, wenn es Sue gerade am schlechtesten geht. Als Sue nicht auf einen Halloweentanz konnte, weil sie kein Date gefunden hat und übel abserviert wurde, geht sie zur Halloweenfeier der Jugendgruppe und trifft ihn dort wieder an. Sie beichtet ihm, dass sie sich in allem zurückliegend fühlt. Sie habe noch niemanden geküsst und müsse ihre Zahnspange weiter tragen. Reverend TimToms Antwort darauf lautet:

So, you're in a rough patch. You know who else hit a rough patch? Jesus. He was dead. But then, three days later, he was back on his feet, rocking it ressurection style. My point is, you never know what's right around the corner.

In Staffel 7 kommt Sue dann endlich aufs College, worauf sie sich den ganzen Sommer lang gefreut hat. Doch als sie dort ankommt, hat sich erst keine Zimmergenossin und dann eine schreckliche Zweitklässlerin, die nichts mit Sue zu tun haben will und ihr das Leben dort zur Hölle macht.

Sue: I'm going to college! Sue: I don't want to be here anymore.

Nachdem Sue ihre Eltern anruft und ihnen erzählt, wie schrecklich es ihr geht, bekommt ihr Bruder Axl das mit, der ihr eigentlich nie freundlich gesinnt ist. Er nimmt sie mit zum Pizza essen und öffnet sich ihr, wie alleine er sich anfangs am College fühlte und wie alles gut wurde, nachdem er seine Mitbewohner besser kennenlernte. So fand Sue wieder etwas Hoffnung und schaffte es durch die anfängliche Zeit.

Axl: make sure you're doing okay, you know, not sitting around

Charakterentwicklung ist ein wichtiger Baustein

Im Verlauf der Serie, machen alle Familienmitglieder immer wieder Entwicklungen durch. Mike muss zusehen, wie seine einzige Tochter plötzlich Jungs nachhause bringt. Frankie wird gefeuert und macht eine berufliche Umschulung durch, um die Familie und sich besser unterstützen zu können. Axl erkennt am College, dass er nicht mehr der coole Ax-Man ist, sondern nur ein „Idiot“. Sue trifft die harte Welt, die ihr zeigt, dass nicht alles so toll ist, wie ihre Poster es ihr immer sagen und Brick wird vom super-sozial-inkompetenten Jungen zum super-sozial-inkompetenten Jungen mit Freunden und einer Freundin. Doch obwohl alle Charaktere sich nach und nach verändern, hört man nicht auf sie zu mögen und fiebert weiter mit ihnen mit. Denn ein Konzept verliert niemand auf seinem weg: Familie ist wichtig. Bis zum Ende halten alle zusammen, in guten wie in schlechten Zeiten. Das ist es, was The Middle zu The Middle macht. Und während man sich mit einigem Identifizieren kann, wird einem am Ende immer auf warme Art gezeigt, dass das Leben überwindbar ist.



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